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Sunday, 27 May 2012

Karl Marx: Exzerpte und Notizen zur Geologie, Mineralogie und Agrikulturchemie. März bis September 1878. MEGA, IV. Abt., Bd. 26. Herausgegeben von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam. Akademie Verlag Berlin 2011. 2 Bde. 1104 S., geb., 168 €.


Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/227654.das-buendnis-geist-und-natur.html


Das Bündnis Geist und Natur

Neuer MEGA-Band erschienen - Was Marx bei Geologen suchte

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Auszug aus einer Seite der geologischen Studien von Marx. Abb. aus dem MEGA-Band
Diese Texte lagen 134 Jahre im Archiv: zunächst bei Friedrich Engels, dann lange in dem der SPD in Berlin. 1925 wies Rjazanov erstmals auf ihre Bedeutung hin. 1933 wurden sie vor den Nazis gerettet - nach Kopenhagen, Amsterdam, London. Seit dem Ende des Krieges befinden sie sich wieder in Amsterdam. Im Rahmen der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) wurde um 1980 mit ihrer Bearbeitung begonnen; sie musste 1989 abgebrochen werden, wurde aber 2003 wieder aufgenommen. Jetzt liegen sie endlich gedruckt vor, als MEGA-Band. Nun kommt es »nur« noch darauf an, ihren Sinn, ihre Stellung im Gesamtschaffen von Karl Marx zu verstehen.
Für das landläufige Marx-Verständnis des 20. Jahrhunderts mag es ein grotesker Gedanke gewesen sein, der Verfasser des »Kommunistischen Manifests« und Band 1 des »Kapitals« könne sich monatelang intensiv mit Geologie befasst und dabei Exzerpte angefertigt haben, die nun gedruckt nicht weniger als 679 Seiten umfassen, einschließlich vieler Dutzend komplizierter Zeichnungen und umfangreicher chemischer und statistischer Tabellen. Darin kaum eine eigne Bemerkung.
Warum tat er das, statt Band 2 und 3 des »Kapitals« zu vollenden? War er im 60. Lebensjahr schon zu krank für ernsthafte theoretische Arbeit? Wollte er sich ablenken? War er der politischen Ökonomie überdrüssig? So zu fragen heißt, Marx nicht verstanden zu haben. Denn einerseits gibt es stets Naturbedingungen aller Arbeit, andrerseits waren geologische und agrochemische Probleme mit der Grundrente verbunden und damit der Weiterarbeit an Band 3 des »Kapitals«.
Vor allem aber war Marx ein umfassender Denker, dem es - wie Aristoteles, Leibniz, Kant, Hegel - um ein Gesamtverständnis der Natur ging. Schon in den »Ökonomisch-philosophischen Manuskripten« von 1844 hatte er festgestellt: »Die Naturwissenschaften haben eine enorme Thätigkeit entwickelt und sich ein stets wachsendes Material angeeignet. Die Philosophie ist ihnen indessen eben so fremd geblieben, wie sie der Philosophie fremd blieben.« Und er kritisierte »die Geschichtsschreibung« dafür, dass sie »auf die Naturwissenschaft nur beiläufig Rücksicht« nahm (MEGA I/2. S. 271). Eine ganz ähnliche Bemerkung findet sich auch in der »Deutschen Ideologie« (MEW, Bd. 3, S. 21). Das war ganz im Geiste Goethes, über den Alexander von Humboldt schrieb, er habe angeregt, »das Bündnis zu erneuern, das im Jugendalter der Menschheit Philosophie, Physik und Dichtung mit einem Bande umschlang«.
Marx suchte die Trennung zu vermeiden, er hat bis an sein Lebensende Naturwissenschaften studiert, nicht nur Geologie, sondern auch Physiologie, Chemie, Mathematik und anderes (wobei die Exzerpte zur Physiologie und Chemie in Bd. IV/25 der MEGA schon vorliegen, die Ausarbeitungen zur Mathematik aber immer noch nicht, nur in einer leider kaum beachteten russischen und originalsprachlichen Ausgabe; Moskau 1968). 1851 hat sich Marx in seinen »Londoner Heften« mit Werken der Agrokulturchemiker Johnston und Liebig befasst (MEGA IV/9) und in bisher nicht veröffentlichten Teilen dieser Hefte mit geologischen Schriften von Joseph B. Jukes, wo der Begriff »geologische Formation« vorkommt. Ein späteres Werk dieses Autors exzerpierte Marx ausführlich im jetzt vorliegenden MEGA-Band. Und sieht man sich die Exzerpte aus Johnston von 1851 an, findet man dieselbe akkurate Textwiedergabe, dieselben Zeichnungen geologischer Schichtungen, wie 27 Jahre später.
Dieses lebenslange Beschäftigen mit den exakten Naturwissenschaften diente bei weitem nicht nur der Aneignung von Kenntnissen, sondern war für Marx auch Vorbild in der wissenschaftlichen Methodik. Das bekannteste Beispiel hierfür ist seine 1852 erstmals genannte Theorie der Gesellschaftsformationen (MEGA I/11, S. 97), die begrifflich direkt auf der Geologie aufbaut. Es folgte in »Zur Kritik der politischen Ökonomie« der Satz: »Wie man bei der Reihenfolge der verschiednen geologischen Formationen nicht an plötzliche, scharf getrennte Perioden glauben muß, so nicht bei der Bildung der verschiednen ökonomischen Gesellschaftsformationen.« (MEGA II/3.6 S. 1972). Das wurde später leider nicht bedacht, obwohl Marx in den Entwürfen seines Briefes von 1881 an Vera Sassulitsch mehrmals auf den Vergleich geologischer und historischer Formationsfolge zurückkam (MEGA I/25, S. 219-242).
Im Gesamtspektrum der Marxschen naturwissenschaftlichen Studien spielten Geologie und Paläontologie vielleicht sogar eine vorrangige Rolle, denn sie hatten lange vor Darwins Erkenntnissen über die Entstehung der Arten gezeigt, wie Vulkanismus, Überschwemmungen und andre Ereignisse das Gesicht der Erde in einem natürlichen Prozess von Millionen Jahren gestalteten. Auch die versteinerten Reste ausgestorbener Tier- und Pflanzenarten hatten das biblische Bild von der Erschaffung der Erde sowie sämtlicher Tier- und Pflanzenarten in nur sechs Tagen sowie deren Unveränderlichkeit als unzutreffend erwiesen.
Die vorliegende Edition vermittelt in der Einführung viele interessante Details über diese Seite in Marx’ Schaffen, so auch, dass er das seltene Glück hatte, im Trierer Gymnasium einen Mathematik- und Naturkundelehrer zu haben, der in Paris bei Cuvier, Lamarck, Laplace und Alexander von Humboldt studierte. Leider fehlt hier Marx’ intensive Beschäftigung von 1851 mit dem genialen Werk seines Kölner Freundes Roland Daniel »Mikrokosmos. Entwurf einer physiologischen Anthropologie«. Aber wichtig ist der Hinweis auf die Marginalien in Büchern der Marxschen Bibliothek, die sich u .a. auch bereits der von Menschen bewirkten Klimaveränderungen widmeten.
Unmöglich genügend zu würdigen ist die riesige Arbeit, die zur Edition dieses Textes mit Entzifferung, Einführung, Korrekturenverzeichnissen, Erläuterungen usw. von Anneliese Griese, Peter Krüger, Richard Sperl und manchem anderen zu leisten war. Klugerweise hielt man sich zurück mit Erläuterungen zum aktuellen Stand der in den Exzerpten auftauchenden Probleme. Wenn Marx z. B. schrieb: »Die extinction of species schreitet noch voran (man selbst the most active exterminator). Ob neue species, seit existence of man, Problem noch nicht lösbar« - so wäre beim heutigen Stand des forcierten Artensterbens und der betreffenden Wissenschaften natürlich einiges zu sagen.
Aber diese Exzerpte sind kein Steinbruch von Zitaten, sondern Wegweiser in die Arbeitsmethode eines großen, vielseitigen und unerhört fleißigen Wissenschaftlers.


Karl Marx: Exzerpte und Notizen zur Geologie, Mineralogie und Agrikulturchemie. März bis September 1878. MEGA, IV. Abt., Bd. 26. Herausgegeben von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam. Akademie Verlag Berlin 2011. 2 Bde. 1104 S., geb., 168 €.

Jacques Bidet sulla nuova traduzione del Capitale di Marx. l’Unità 25.5.12



Jacques Bidet sulla nuova traduzione del Capitale di Marx




Il «Capitale» ora è ancora più vicino al nostro capitalismo

Una nuova traduzione per l’opera di Marx è occasione per affrontare l’oggi ripensando il sistema mercato alla radice

di Jacques Bidet l’Unità 25.5.12 da Segnalazioni



FRESCA DI STAMPA LA NUOVA TRADUZIONE DEL VOLUME XXXI DELLE OPERE COMPLETE DI MARX ED ENGELS, CONTENENTE, IN DUE TOMI, il libro I del Capitale, presentata qualche giorno fa all’Università degli Studi di Milano-Bicocca in una giornata internazionale di stud io sulla rilevanza attuale della critica marxiana

Una nuova traduzione di Marx è un evento, e ci dà l’occasione di rivedere e correggere la lingua del marxismo e del socialismo. È un evento come lo sono nuove traduzioni di Freud o di Hegel, che rimettono in questione il nostro modo di pensare i rapporti di sesso o di argomentare in filosofia. Si tratta qui di sapere in quali termini orientarci nel
mondo in cui viviamo. Se occorre tradurre di nuovo, questo avviene certamente perché oggi sappiamo meglio di cinquant’anni fa come Marx, attraverso una lunga serie di abbozzi e di correzioni, ha a poco a poco prodotto la sua grande opera e comprendiamo meglio ciò che egli vuol dire, la natura delle sue scoperte. Roberto Fineschi si appoggia a molti decenni di lavoro dei gruppi di lavoro internazionali di Mega2 secondo le norme scientifiche attuali, e ci fornisce una traduzione magistrale, accompagnata da un volume di varianti e di testi marxiani che stimoleranno di nuovo la riflessione; il tutto forma il volume XXXI dell’edizione italiana delle Opere complete di Marx ed Engels che studiosi di varie Università, coordinati da Mario Cingoli di Milano-Bicocca, stanno portando avanti con la piccola e valorosa casa editrice La Città del Sole di Napoli.
Non si tratta solo di filologia, ma anche di teoria e di politica. Ad esempio, per tradurre il termine Arbeiter bisogna usare operaio, che rimanda al lavoratore di fabbrica, o è meglio lavoratore? Certo, gli operai sono più numerosi che mai nel mondo d’oggi, ma «lavoratore» include tutti quelli che lavorano sotto il dominio del capitale, che effettuano un lavoro sia tecnico che commerciale, sia fisico che intellettuale, ed è il termine che meglio risponde a quello che aveva in mente l’autore. Marx non è, come molti credono, «un pensatore del suo secolo»; egli analizza il capitalismo nelle sue forme fondamentali, che si esplicano oggi in forme nuove. È anche alle cassiere e alle telefoniste dei call center che si rivolge l’appello «Lavoratori di tutto il mondo, unitevi!».
Il Capitale manifestava la speranza che la logica del capitale sarebbe stata vinta dai colpi dei movimenti popolari che avrebbero imposto un ordine democraticamente concertato tra tutti. Sappiamo che questo esito non è vicino e che la soluzione è senza dubbio più complessa, ma Marx resta il grande ispiratore di ogni analisi critica del capitalismo. All’inizio del Capitale viene contestata subito la pretesa del capitalismo di spacciarsi come «l’economia di mercato», cioè l’ordine naturale al quale si è pregati di conformarsi. Il testo mostra poi che questo non è vero: nel capitalismo, il mercato serve ad un rapporto di sfruttamento, di cui viene smontato il meccanismo. Ma lo slogan liberale conserva la sua efficacia, e non è facile mostrare in quali modi muoversi verso un ordine alternativo.
Non è per caso che, in questa giornata di studio, la discussione si sia concentrata sul famoso e difficile inizio dell’opera dove Marx tratta del mercato in generale prima di venire a ciò che è proprio del capitalismo, perché è importante giungere a chiarire cos’è «il mercato», in una situazione in cui il capitalismo si impadronisce di tutto per farne merce in vista di un profitto: di tutte le ricchezze della natura, di tutti i beni pubblici, delle nostre vite dalla A alla Z. E non si tratta solo di sfruttamento di salariati: questo meccanismo esclude una parte via via crescente della popolazione da ogni lavoro, da ogni base sociale di esistenza. Oppure si è pregati di farsi «imprenditori di se stessi», giocando ogni giorno la propria pelle sul mercato, costretti a provare che si è di profitto per il capitale che ci impiega. Non si può affrontare l’oggi se non riprendendo le cose alla radice: rifacendo l’esercizio «radicale» di Marx. È questo, prima di tutto, che si impara dal Capitale.